„Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“
Lukas 19, 40

Was werden sie denn schreien, die Steine? Und wer sind die, die hier schweigen, obwohl sie eigentlich reden sollten?

Mit diesem Wort beantwortet Jesus im Lukasevangelium einen Vorwurf der Pharisäer, die sich darüber aufregen, dass die Jünger Kleider vor dem auf einem Esel reitenden Jesus ausbreiten und ihn mit Worten aus Psalm 118 als Herrn und König preisen. „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“ Mit diesen Worten huldigt die Menge seiner Anhänger dem nach Jerusalem ziehenden Jesus. Sie begrüßen ihn am Fuße des Ölbergs als den verheißenen Friedenskönig, der Gottes gnädige Herrschaft aufrichten wird und deshalb nicht auf einem Streitross, sondern demütig auf einem Esel Richtung Jerusalem reitet.

Die Pharisäer, die diese Szene miterleben, wollen Jesus dazu bringen, dass er seine Jünger zurechtweist. Aber Jesus antwortet ihnen: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ Eine mehr als deutliche Zurückweisung ihres Einspruchs und eine direkte Unterstützung der von den Jüngern vorgetragenen Botschaft. Der, der hier kommt, ist wirklich der von Gott gesandte König des Friedens.

Aufmerksame Leserinnen und Leser des Lukasevangeliums werden sich an dieser Stelle an frühere Stellen des Evangeliums erinnern. Hatten nicht bereits die Engel in der Weihnachtsnacht den Hirten auf dem Feld die Geburt des Heilands verkündet, „welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids“ und dies mit dem Lobpreis bekräftigt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.“? Hatte nicht bereits Johannes der Täufer angekündigt, dass Gott dem Abraham aus Steinen Kinder erwecken könnte, wenn die Menschen seine Botschaft nicht annehmen?

Die Botschaft, dass Jesus der Friedenskönig, der von Gott gesandte Heiland der Welt ist, die lässt sich nicht unterdrücken. Diese gute Nachricht kann niemand aufhalten, weil Gott zur Not die Steine diese Botschaft hinausschreien lassen wird. Es geht um zu viel, als dass der Lobpreis Jesu unterbleiben könnte. Entscheidend ist nicht der Weg, sondern dass diese Botschaft ihre Adressaten erreicht. Und wenn es am Ende die unbelebte Natur hinausschreien muss: „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn!“

Prof. Dr. Ralf Dziewas
Professor für Diakoniewissenschaft und Sozialtheologie an der Theologischen Hochschule Elstal (Fachhochschule)

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