Dann werden jubeln die Bäume des Waldes vor dem HERRN; denn er kommt, die Erde zu richten!
1. Chronik 16, 33

In den Osterferien fuhren wir als Familie für ein paar Tage in den Harz. Da wollten wir immer schon mal hin. Es solle sehr schön sein, hatten wir gehört. Wir malten uns die hohen Bäume und das dichte Grün der Nadeln und Blätter aus. Verglichen mit unserer Vorstellung, die wir uns zuvor gemacht hatten, war dann der tatsächliche Anblick eine große Enttäuschung. Der Wald, den wir dort am Aufstieg zum Brocken erblickten, glich eher einer Wüste. Unübersehbare Spuren von Jahren der Dürre. Das trockene Holz bietet dem Borkenkäfer kaum noch Widerstand. Auf halber Höhe abgebrochene Stämme ragen stumm in den Himmel. Ein trauriges Bild, weit entfernt vom Jubel der Natur, der in 1. Chronik 16,33 anklingt.

Von diesem Eindruck her fällt es mir schwer, einen mehr oder weniger gezielt ausgesuchten Bibelspruch als zeitlose Wahrheit zu mir sprechen zu lassen. Die Bäume im Harz, würde ich sagen, singen derzeit statt ein Lob- eher ein Klagelied. Und ja, auch in der Bibel hat die Natur Grund zur Trauer: „Heult, ihr Zypressen; denn die Zedern sind gefallen und die Herrlichen vernichtet. Heult, ihr Eichen Baschans; denn der dichte Wald ist umgehauen“ (Sacharja 11,2). Ein förmlich himmelschreiendes Echo der gesellschaftlichen Zustände und des Unfriedens!

Was bleibt dann vom überschwänglichen Jubel der Natur in den Psalmen (Ps 96,12) und bei Jesaja (Jes 44,23; 55,12), aus denen der Chroniktext schöpft? Er behält seine Berechtigung als Intonation unseres Einsatzes für eine friedliebende Welt, die die gesamte Schöpfung einbezieht. Als Ansporn für die Integration von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit. Und er ist für mich ein Ausdruck der Gewissheit, dass Gottes universales Rettungshandeln bereits im Gang ist – auch wenn man es unserer Lebenswelt äußerlich nicht ansehen mag.

Prof. Dr. Dirk Sager
Theologische Hochschule Elstal

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