Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr und Gott, du Herrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker.
Offenbarung 15, 3

Dieses Lied ist nicht von dieser Welt. Gewiss nicht. Wo auch immer die Sänger und Sängerinnen sich aufhalten, – ihr Lobpreis hat wahrhaft himmlische Dimensionen. In wenigen Worten fassen die Liedzeilen zusammen, was in Gottes Reich richtig und gut läuft. Die Taten Gottes werden als „groß und wunderbar“ gepriesen. Die Herrschaft über die ganze Schöpfung liegt in den Händen Gottes. Er regiert über alle Völker und das durchweg „gerecht und zuverlässig“.

Weit spannt sich der Bogen von diesem endzeitlichen Lobpreis zurück über die gesamte Menschheitsgeschichte zu den Schöpfungsgeschichten der Genesis. Denn ganz am Anfang hatte Gott bereits sein Urteil über seine Schöpfungstaten gesprochen, „dass es gut war“ und das gleich siebenmal (Gen 1,4.10.12.18.21.25). Das Herrschaftsmandat über die Schöpfung erging damals an den Menschen (Gen 1,28): „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet...“ Aber die von Gott als „gerecht und zuverlässig“ geplanten Wege wurden von den Menschen bald verlassen. Sie wollten selbst „sein wie Gott“ (Gen 3,5). Doch was folgte waren oftmals schlechte Taten der Menschen, herrschsüchtige Ausbeutung und brutale Zerstörung der Schöpfung und Wege voller Ungerechtigkeit, Unzuverlässigkeit und gottloser Herrschaft. Die Bibel ist voll von solchen Geschichten und die Menschheitsgeschichte auch. So könnten einem viele Strophen eines Klageliedes einfallen, die die irdische Realität mit schrägen Tönen besingen. Doch so hat die Geschichte Gottes mit der Schöpfung und mit seinen Menschen eben nicht angefangen, und so wird sie auch nicht enden! Jene Sänger und Sängerinnen der Johannesoffenbarung proben schon einmal für das große ewige Lobpreiskonzert zur Ehre Gottes. Sie singen ein altes Lied des Mose und erinnern damit daran, wie Gott dereinst in schwerster Zeit die Israeliten aus Ägypten heraus und durch das Schilfmeer hindurch geführt hat (Ex 15). Und sie singen zugleich das Lied des Lammes, das von der Befreiung und der Erlösung durch Jesus Christus am Kreuz handelt. Dies ist das eine Lied des alten und den neuen Gottesvolkes, das mutig und mit schönsten Tönen Gottes neue Welt herbeisingt: „Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr und Gott, du Herrscher über die ganze Schöpfung. Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König der Völker.“ In diesem Lobpreis wohnt Gott (Ps 22,4) – schon jetzt und mitten unter uns.

Prof. Dr. Carsten Claußen
Theologische Hochschule Elstal

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