Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auferlegen.
Galater 5, 1
Unterschätze niemals die Fähigkeit freier Menschen, sich selbst und andere ihrer Freiheit zu berauben.
Freiheit ist ein hohes, ein umkämpftes Gut. Wer möchte schon gerne unfrei sein? Wer möchte gerne Knecht sein und immer den Plänen und dem Willen eines anderen dienen?
Und doch ist dies alltägliche Realität. Menschen machen sich „freiwillig“ wieder unfrei. Sie machen sich abhängig von Meinungen und Regeln. Lassen sich einengen oder schnüren sich selbst ein.
Christus hat uns zur Freiheit befreit! Mit der Freiheit kommt die Unsicherheit. Wie soll ich mich verhalten? Woran kann ich mich orientieren? Regeln und Gesetze geben Sicherheit. Selbst wenn ich mich nicht immer an die Gesetze halte, weiß ich, was ich zu tun habe und wann ich eine Grenze überschritten habe. Dabei ist mein Blick auf die Grenze gerichtet, auf den Zaun, der meinen Handlungsspielraum einschränkt.
Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.
Prediger 4, 6
Im Vers davor heißt es: „Der Tor legt seine Hände zusammen und zehrt vom eigenen Fleisch“, soll heißen: der Tor lebt vom Ererbten oder Ersparten, obwohl er arbeiten könnte, soll heißen: Faulheit ist ein Zeichen von Anmaßung und Dummheit. Es könnte nun zwischen dem Vers 5 und dem Vers 6, also unserem Monatsspruch, ein Doppelpunkt stehen, und dann wäre unser Vers das Lebensmotto aus dem Munde des faulen Toren: „Genieße das Nichtarbeiten, Arbeit ist sowieso sinnlos.“ Als Ausspruch des Toren wäre der Vers dann nicht etwa eine Lebensweisheit, sondern eine Lebenstorheit und damit ungeeignet als Monatsspruch. Die meisten Exegeten weisen diese Deutung aus gutem Grund zurück. Es steht dort ja nicht, dass man beide Hände ruhen lassen soll, sondern nur die eine. Gewarnt wird nicht vor Arbeit, sondern davor, immer beide Hände voll Arbeit zu haben und nicht zur Ruhe zu kommen. Wo Arbeit und Erwerb nicht mehr Mittel zum Zweck eines verantwortungsvollen und gottesfürchtigen Lebens sind, sondern zum Selbstzweck werden, sind sie so sinnlos wie der Versuch, den Wind mit bloßen Händen einzufangen. Also doch eine Lebensweisheit.

