Denkt an die Gefangenen, als wäret ihr mitgefangen; denkt an die Misshandelten, denn auch ihr lebt noch in eurem irdischen Leib!
Hebräer 13, 3
Was ist die erste Reaktion, wenn wir Leid sehen? Instinktiv schauen wir weg. Zumindest schaue ich, wenn sich im Fernsehen jemand geschnitten hat, meist erstmal gegen die Wand. Zu sehr fühle ich am eigenen Leib den Schnitt. Auch wenn ich das Weltgeschehen in den Nachrichten verfolge, dann nehme ich meist eine distanzierte Haltung ein. Sich nicht im ganzen Leid zu verlieren, ist für viele heute ein valider Teil der mental health. Hebräer 13,3 fordert scheinbar das Gegenteil: Hinsehen! Mitfühlen! Nicht vor Leid zurückschrecken und wegblicken! Wenn jemand im Gefängnis ist, dann nicht wegschauen, wenn jemand misshandelt wird, bewusst mitfühlen. Dieser Vers solidarisiert sich mit den Leidenden.
„Die Hoffnung haben wir als einen sicheren und festen Anker unsrer Seele.“
Hebräer 6, 19
Ein Anker ist schwer. Wenn er seine Aufgabe erfüllt, hält er auch bei Sturm und tückischen Strömungen ein Schiff fest an Ort und Stelle. Aber was ist ein Anker für die Seele?
Die Vielfalt der Veränderungen in der Gegenwart verunsichert uns. Es fühlt sich so an, als gäbe es keine verlässlichen Fixpunkte mehr. Alles ist im Fluss. Überall Veränderung und unklare Entwicklungen. Und bei der Frage: „Was wird noch alles auf uns zukommen?“ kann einem Angst und Bange werden.
Aber das ist eigentlich der Normalzustand im menschlichen Leben. Wir verdrängen es zwar oft, aber unsere Zukunft ist immer unsicher. Wir können gar nicht wissen, was kommen wird. Wir wissen nur, was bei den anstehenden Veränderungen auf dem Spiel steht: Das bisher Bekannte und Normale, an das wir uns gewöhnt haben, und das wir gerne festhalten wollen.

